Zutritt verboten:der selbsternannte Club der Meinungsmacher

Maulkorb für Wissenschaftler? Was passiert, wenn renommierte Ökonomen Kanzlerin Merkel in einem offenen Brief zum Kurswechsel auffordern

Andrian Kreye, Feuilleton-Chef der Süddeutschen Zeitung (SZ) war empört: „Digitale Politikamateure“ haben sich, so verkündete er in der von ihm verantworteten Kulturabteilung der SZ, wissenschaftlicher Analysen zur Griechenland- und Eurokrise bedient, um „auf ethisch fragwürdige“ Weise Kritik am Austeritätskurs der deutschen Bundeskanzlerin zu üben. Grund seines Protests: Der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty hatte zuvor zusammen mit vier ähnlich renommierten Ökonomie-Forschern (unter anderem Heiner Flassbeck) einen offenen Brief an Angela Merkel mit dem Titel „Der Sparkurs ist gescheitert“ auf der Webseite des amerikanischen Politikmagazins „The Nation“ veröffentlicht. Dies unter Beteiligung von Internet-Aktivisten, die begleitend dazu im Netz eine Petition auf den Weg brachten, welche innert Stunden weltweit über 500 000 mal unterzeichnet wurde und in Paris zu Straßendemos beim Griechenland-Krisentreffen von Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Hollande führte. Der – wie Kreye einräumt – „wissenschaftlich fundierte“ und argumentativ „kluge“ Aufruf der Professoren sei aber nun durch die Petitions-Aktivisten mit ihrem „gewaltigen Echo“ im Internet aufs ärgste entwertet worden. Denn, so Kreye : Aus gesellschaftlicher Sicht ergäben sich durch die solcherart massenhaft verbreiteten wissenschaftlichen Erkenntnisse schwere Glaubwürdigkeitsprobleme für die am Brief beteiligten Professoren. Und das sei nicht gut. Denn: Weiterlesen

ARD: Die Lüge wird zum Programm

Griechenland-Hatz und Zitat-Fälschung auf Kosten des Zwangsgebührenzahlers

Nachdem nicht nur vom Chefdenker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) Berthold Kohler bis zum ARD-Brüssel-Korrespondent Rolf-Dieter Krause in mehr oder weniger deutlichen Worten und im schönsten Gleichklang mit Bild-Kommentatoren der Parole Ausdruck verliehen wurde, die vermeintlich linksradikale und damit unbelehrbare Tsipras-Regierung in Griechenland solle sich zur Hölle scheren – gibt es kein Halten mehr. Wie nie bemüht sich auch die zweite und dritte Reihe unserer Meinungsmacher im Land, bei der Hatz gegen Athens Regierung ganz vorn dabei zu sein. Was heißt: Es wird Desinformation in solchem Ausmaß produziert, das man sich inzwischen fragt, mit welchem Recht eigentlich Südeuropas Bürgern immer unterstellt wird, sie würden meisterhaft täuschen und tricksen, wenn es um die Wahrung ihrer materiellen Interessen geht. Zeigt sich doch fast täglich, dass der redaktionelle Apparat unserer bundesdeutschen Mainstream-Journalistik bis hin zur untersten Ebene argumentativ bereit ist, jede Volte zu schlagen und dabei vor offener Unwahrheit und Tatsachenverdrehung nicht zurückschreckt. Hauptsache, es gelingt, die wahren Zusammenhänge der gegenwärtigen Finanzkrise zu verschleiern. Dabei entpuppte sich das jüngste Beispiel verfälschender Information aus der ARD als so plump und dreist, dass es jedem auch nur halbwegs aufmerksamen Fernseh-Zuschauer, dem dieser Info-Mist serviert wurde, vor Ekel den Hals zuschnürt. Wegen übler Zitat-Entstellung in der ARD-Berichterstattung zur letzten Jauch-Talkshow (Spottname: „Jauche-Talk“) hagelte es Protest. Weiterlesen

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