Weltmächte ohne Größe-über das Absurde

Der französische Literatur-Nobelpreisträger Albert Camus hat schon in den fünfziger Jahren ganz ähnlich wie heute sein vor wenigen Tagen verstorbener Laureat-Kollege Günther Grass die Weltlage beschrieben. Zur Erinnerung:(mehr) Jede Generation sieht zweifellos ihre Aufgabe darin, die Welt neu zu erbauen. Meine Generation jedoch weiß, dass sie sie nicht neu erbauen wird. Aber vielleicht fällt ihr eine noch größere Aufgabe zu.
Sie besteht darin, den Zerfall der Welt zu verhindern. Als Erbin einer morschen Geschichte, in der verkommene Revolutionen, tollgewordene Technik, tote Götter und ausgelaugte Ideologien sich vermengen, in der Mächte ohne Größe heute wohl alles zu zerstören, aber niemand mehr zu
überzeugen vermögen, sieht diese Generation sich vor die Aufgabe gestellt, in sich und um sich ein weniges von dem, was die Würde des Lebens und des Sterbens ausmacht, wiederherzustellen.«
In seinem letzten DLF-Interview 2013 hat Grass größten Wert darauf gelegt, zu betonen, dass er Zeit seines Lebens auf die Ansichten kaum eines Literaten mehr Wert gelegt hat als auf die von Camus.

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