Klimafestung Europa – ein fataler Irrtum

Forschungen, die zeigen, was uns wirklich droht, werden konsequent ignoriert

Machen wir uns nichts vor: Die Klimakonferenz von Paris war eine Farce. Festgelegt wurde kaum etwas von Bedeutung und vor allem nichts, was juristisch durchsetzbar wäre. Der triumphal bejubelte Abschluss des Treffens dokumentierte bei Licht betrachtet kaum mehr als eine Meisterleistung der PR-Strategie französischer Diplomatie. Man war glücklich, der Welt am Ende melden zu können: “Wir haben einen Vertrag“. Das man im Kleingedruckten für alles, was irgendwie als bindend aufgefasst werden könnte, einen Exitpassus verankerte, der jedem Unterzeichnerstaat gestattet, sich innerhalb der nächsten 12 Monate aus dem Vertrag zurückzuziehen, blieb öffentlich meist unerwähnt. Alles fußt auf „Freiwilligkeit“. einklagbar ist nichts.
Damit ist zu erwarten: Die Klimaschutz-Vereinbarung wird ähnlich wie alle vorherigen Abkommen dieser Art außerstande sein, jene technischen Entwicklungen voranzubringen, die zur Hoffnung Anlass geben, die erwartbare globale Klima-Katastrophe zu verhindern. Es wird weiter auf hemmungslosen Gebrauch von Kohle, Öl und Gas zur Sicherung des Wohlstands in Industrie-Staaten gesetzt. Und das Absurde daran: Obwohl seit mindestens 7 Jahren wissenschaftlich gut belegt ist, dass unser Planet auf diese Weise in buchstäblich atemberaubenden Tempo unbewohnbar sein wird, gilt der Umbau unserer Industrie in Richtung Kreislaufwirtschaft und CO-2 Neutralität weiterhin als Projekt minderer Priorität, bei dem man sich Zeit lassen kann. Weiterlesen

Zutritt verboten:der selbsternannte Club der Meinungsmacher

Maulkorb für Wissenschaftler? Was passiert, wenn renommierte Ökonomen Kanzlerin Merkel in einem offenen Brief zum Kurswechsel auffordern

Andrian Kreye, Feuilleton-Chef der Süddeutschen Zeitung (SZ) war empört: „Digitale Politikamateure“ haben sich, so verkündete er in der von ihm verantworteten Kulturabteilung der SZ, wissenschaftlicher Analysen zur Griechenland- und Eurokrise bedient, um „auf ethisch fragwürdige“ Weise Kritik am Austeritätskurs der deutschen Bundeskanzlerin zu üben. Grund seines Protests: Der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty hatte zuvor zusammen mit vier ähnlich renommierten Ökonomie-Forschern (unter anderem Heiner Flassbeck) einen offenen Brief an Angela Merkel mit dem Titel „Der Sparkurs ist gescheitert“ auf der Webseite des amerikanischen Politikmagazins „The Nation“ veröffentlicht. Dies unter Beteiligung von Internet-Aktivisten, die begleitend dazu im Netz eine Petition auf den Weg brachten, welche innert Stunden weltweit über 500 000 mal unterzeichnet wurde und in Paris zu Straßendemos beim Griechenland-Krisentreffen von Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Hollande führte. Der – wie Kreye einräumt – „wissenschaftlich fundierte“ und argumentativ „kluge“ Aufruf der Professoren sei aber nun durch die Petitions-Aktivisten mit ihrem „gewaltigen Echo“ im Internet aufs ärgste entwertet worden. Denn, so Kreye : Aus gesellschaftlicher Sicht ergäben sich durch die solcherart massenhaft verbreiteten wissenschaftlichen Erkenntnisse schwere Glaubwürdigkeitsprobleme für die am Brief beteiligten Professoren. Und das sei nicht gut. Denn: Weiterlesen

Vergessene Texte der Zeitgeschichte

1949 plädiert Albert Einstein für sozialistische Gesellschaftsform

Heute weithin unbekannt ist, dass Albert Einstein kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs ein sozialistisches Gesellschaftssystem befürwortete. Im Rahmen der Idee, 1949 zwecks Diskussion dieses Themas eine Zeitschrift zu gründen, ist folgender Beitrag aus diesem Jahr überliefert, in dem er seine Argumente für diesen Plan ausführt. In einer Zeit, in der die Legitimation des neoliberalen Kapitalismus immer brüchiger wird, halte ich es für angemessen, an sein Plädoyer für ein alternatives Modell zur Organisation von Gesellschaften zu erinnern.  Weiterlesen

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