Klimafestung Europa – ein fataler Irrtum

Forschungen, die zeigen, was uns wirklich droht, werden konsequent ignoriert

Machen wir uns nichts vor: Die Klimakonferenz von Paris war eine Farce. Festgelegt wurde kaum etwas von Bedeutung und vor allem nichts, was juristisch durchsetzbar wäre. Der triumphal bejubelte Abschluss des Treffens dokumentierte bei Licht betrachtet kaum mehr als eine Meisterleistung der PR-Strategie französischer Diplomatie. Man war glücklich, der Welt am Ende melden zu können: “Wir haben einen Vertrag“. Das man im Kleingedruckten für alles, was irgendwie als bindend aufgefasst werden könnte, einen Exitpassus verankerte, der jedem Unterzeichnerstaat gestattet, sich innerhalb der nächsten 12 Monate aus dem Vertrag zurückzuziehen, blieb öffentlich meist unerwähnt. Alles fußt auf „Freiwilligkeit“. einklagbar ist nichts.
Damit ist zu erwarten: Die Klimaschutz-Vereinbarung wird ähnlich wie alle vorherigen Abkommen dieser Art außerstande sein, jene technischen Entwicklungen voranzubringen, die zur Hoffnung Anlass geben, die erwartbare globale Klima-Katastrophe zu verhindern. Es wird weiter auf hemmungslosen Gebrauch von Kohle, Öl und Gas zur Sicherung des Wohlstands in Industrie-Staaten gesetzt. Und das Absurde daran: Obwohl seit mindestens 7 Jahren wissenschaftlich gut belegt ist, dass unser Planet auf diese Weise in buchstäblich atemberaubenden Tempo unbewohnbar sein wird, gilt der Umbau unserer Industrie in Richtung Kreislaufwirtschaft und CO-2 Neutralität weiterhin als Projekt minderer Priorität, bei dem man sich Zeit lassen kann.

Ungerührt von allen Vorzeichen der kommenden Katastrophe wie ausbleibenden Wintern, versmogten Metropolen und steigenden Meeresspiegeln werden weiter mit fossilen Brennstoffen Profite gemacht und fast jeglicher materieller Fortschritt in Industrienationen erkauft mit Techniken, die unseren Planeten unweigerlich in eine vor sich hin qualmende, vergiftete Müllhalde umzuwandeln drohen.

Mit sogenannten „Maßnahmenpaketen“ wird die Öffentlichkeit getäuscht
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Dabei wird von den Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik so getan, als ließen sich in großen gesellschaftlich-ökonomischen Zukunftsplanungen die universell gültigen Grundgesetze von Physik und Chemie als Entscheidungsfaktoren ausblenden und durch – wie jetzt in Paris – bombastisch inszenierte juristische Vertragstexte ersetzen. Der warnende Einwand aus Wissenschaftlerkreisen, das erfolgversprechende Klima-Interventionen so nicht machbar sind, wird ignoriert. Er stört zu sehr das laufende Geschäft. So gesehen entpuppt sich alles, was jetzt als historischer Durchbruch bejubelt wurde als der ziemlich alberne Plan, den aus Macht-und Profitkalkül geborenen Wachstumswahn unserer Entscheider durch politisch-mediale Rabulistik so weit wie möglich in die Zukunft zu retten.

In diesem Zusammenhang überrascht es wenig, wenn unsere Medien die erwartbar verheerenden Folgen von massenhafter Nutzung fossiler Treibstoffe weiterhin beharrlich als Phänomen erläutern, das uns Europäer – wenn überhaupt – nur am Rande betrifft. Überschwemmungen oder Dürren, das räumt man inzwischen ein, wird es wohl geben, aber nicht nennenswert bei uns. Allenfalls in der dritten Welt. Europa kommt in diesen Berichten fast nur als eine Art „Klima-Festung“ vor, die unter Negativeffekten so gut wie nicht zu leiden hat. Dabei weiß die seriöse Forschung längst: Nichts ist verlogener, als diesen beruhigenden Eindruck zu erwecken.

Bekanntlich gehen die üblichen Schätzungen zum Anstieg der Meeresspiegel durch erhöhte CO2 Mengen in der Atmosphäre bis heute allenfalls von Zentimetern bis cirka ein Meter aus. Dabei ist diese auf harmlos getrimmte Prognose seit über sieben Jahren überholt. Längst hat sich bei jenen Klimaforschern, die nicht am Gängelband interessengeleiteter Lobbyisten publizieren, die Ansicht durchgesetzt, dass es wohl schlimmer kommt. Viel schlimmer. Schließlich hat bereits 2009 kurz vor Beginn der 1.Weltklimakonferenz in Kopenhagen das renommierte US-Wissenschaftsmagazin “Science” im online-Teil eine Studie veröffentlicht, die den schönfärberischen Spekulationen zum künftigen Meeresspiegel erstmals faktenbasiert ein Ende setzte: Die Geo-Forscherin Prof. Aradhna Tripati von der Universität von Kalifornien (UCLA) präsentierte in dieser Publikation eine völlig neue Methode, um prähistorische Änderungen in der planetaren Gashülle zu detektieren. Dabei gelang ihr erstmals der Nachweis, dass es einst Kohlendioxid-Konzentrationen in der Erdgashülle gab, die den heutigen desaströs anschwellenden Rekordwerten gleichen – und dass diese in zeitlich engstem Zusammenhang zu globalen Hitzekatastrophen geradezu biblischen Ausmaßes standen.

Blick in die Vergangenheit unseres Planeten

Das Problem der Wissenschaftler bis dahin: Wer erforschen wollte, welche Auswirkungen im Lauf der Erdgeschichte Treibhausgase wie CO-2 auf das Klima und die Umwelt haben, war im wesentlichen auf Untersuchungen mikroskopisch kleiner Luftproben aus Eisbohrkernen der Antarkis angewiesen. Mangels älterer Eisschichten erlaubte diese Methode aber nur, die Treibhausgas-Schwankungen der letzten 800.000 Jahre zu rekonstruieren. Immerhin ließ sich so belegen, dass die heute mit einem Wert von 387 Partikeln pro eine Million Luftteilchen (parts per million oder ppm) gemessenen Kohlendioxid-Konzentrationen im mit dieser Nachweis-Technik überschaubaren Zeitraum nie erreicht wurden.

Eine freilich unbefriedigende Erkenntnis. Denn das über Eiskerne ermittelte Datenmaterial bewies zwar – wenig überraschend -, dass die Kohlendioxid-Konzentrationen in der Luft seit Beginn der fossilen Energienutzung durch den Menschen explosionsartig gestiegen ist. Doch die Zentralfrage, ob dieser Anstieg von bedrohlicher Bedeutung oder nur ein erdgeschichtlich “normaler” Ausreißer sei, den das Klimasystem der Erde ohne Hitzekollaps verkraftet, blieb offen. Klar war damit nur eins: Um das Risiko-Potential hoher CO2-Konzentrationen für die zukünftige Klimaentwicklung abschätzen zu können, muss weitaus tiefer in die Vergangenheit unseres Planeten geblickt werden. Knapp eine Million Jahre reicht da nicht.

Versteinertes Treibhaus-Szenario

Kein Wunder also, dass Klimaforscher seit Jahren auf der Suche nach Nachweismethoden waren, mit denen sich der Zeit-Horizont für derartige Untersuchungen ausweiten lässt. Im Rahmen dieser Bemühungen konnte 2009 die US-Geoforscherin Aradhna Tripati einen sensationellen Durchbruch melden. Mit einer von ihr und einem britischen Forscherteam an der Uni Cambridge entwickelten völlig neuen Untersuchungsmethode, die erlaubt, anhand versteinerter Algen-Schalen die Atmosphäre zu Lebzeiten der Ur-Pflanzen zu bestimmen, konnte sie den Kohlendioxid-Gehalt des irdischen Gasmantels der letzten 20 Millionen Jahre präzise bestimmen. Dabei kam heraus, dass die extrem hohen Kohlendioxid-Gehalte unserer Tage in der Erdgeschichte doch nicht ohne Vorläufer sind. Im mittleren Miozän, also vor zirka 15 Millionen Jahren, erreichten sie kurzzeitig ähnliche Höchstwerte wie heute. Ein Befund, der schockiert.

Geologen ist seit langem bekannt, dass zeitgleich damals die globalen Temperaturen ca 2,8 bis 5,6 Grad höher als heute lagen und als Folge der Erwärmung der Meeresspiegel 23 bis 36 Meter über dem heutigen Stand lag. Dass sowohl Nord- wie Südpol und auch Grönland zu jener Zeit so gut wie eisfrei waren, versteht sich von selbst.

Warnruf für unsere Klima-Zukunft

Auch wenn in der Studie von Tripati und ihren Kollegen ungeklärt bleibt, was im mittleren Miozän zum rasanten Anstieg der Treibhausgas-Spiegel in der Atmosphäre führte: Ihre Ergebnisse belegten erstmals, dass hohe CO2-Konzentrationen in der Erdgeschichte mit größter Wahrscheinlichkeit horrende klimatische Änderungen nach sich ziehen. Die temporäre Treibhauswelt des Miozän – so schließt Tripati – kann daher als Warnung für unsere Klima-Zukunft gar nicht ernst genug genommen werden. Denn stimmen neueste Prognosen, nach denen die CO2-Konzentrationen schon im Laufe dieses Jahrhunderts auf 600 bis 900 ppm hochschnellen werden, so blüht dem Raumschiff Erde nach Ansicht der Forscherin ein beispielloser Hitzeschock. Mit sozialen und ökonomischen Auswirkungen, die alles übertreffen, was es auf diesem Gebiet seit 50 Millionen Jahren je gab.

Um den Folgen der erwartbaren Überschwemmungen, gigantischen Wüstenausbreitungen und Dürrekatastrophen zu entgehen, werden sich bei dann cirka 90 Milliarden Erdbewohnern, die zudem großenteils auch noch küstennah siedeln, gezwungenermaßen auf den Weg in höhere Landregionen Weg machen,  ist unvermeidlich. Dass sich dieses Flucht-Desaster auf arme Länder in Afrika oder dem fernen Osten beschränkt – wie heute die meisten Medien beim Thema Klimawandel gern hervorheben – entpuppt sich bei Kenntnisnahme dieser Forschungen kaum mehr als Pfeifen im Wald. Vor allem die frohe Botschaft, Europa werde das Desaster als „Klimafestung“ fast unbeschadet überstehen, kann man vergessen. Denn:
Im Fokus der Forschung entpuppt sich der kürzliche Pariser Rummel um die angepeilte Begrenzung der Erderwärmung auf eineinhalb Grad als reine Augenwischerei. Fast jeder der an der Konferenz Beteiligten Klimaforscher kennt schließlich die Forschungsarbeit der Kalifornierin und weiß seit langem, das mit den angestrebten Maßnahmen das angepeilte Limit nie zu erreichen ist.
Da es – wie schon gesagt- bis heute leider keinerlei Möglichkeiten gibt, die Folgen physikalisch-chemischer Naturgesetze durch wohltönende Absichtserklärungen zu umgehen, gleicht das Ganze auf fatale Weise dem, was wir derzeit mit dem VW-Abgasskandal erleben. Wirtschaft und Politik geloben Besserung, doch praktisch tut sich fast nichts, um am Abgasdesaster etwas zu ändern. Schließlich kann man –wie immer – die Forscherkritik am Kurs der Klimapolitik, wenn sie zu faktenbasiert und verstörend ist, – totschweigen. Was übrigens wohl auch gemacht wurde. Selbst die deutschsprachige (im Gegensatz zur englischsprachigen) Wikipedia- angeblich die unfehlbarste deutsche Sammelstelle für faktenbasiertes Weltwissen – erwähnt weder die Arbeiten der Forscherin noch ihren Namen.

Künftig am Meeresgrund: Luxusvilla mit Uferstück

Wobei einzuräumen ist, dass ein globaler Temperaturwandel in der vermeintlichen “Klimafestung Europa” in manchen Kreisen zunächst mal durchaus nicht nur als Schreckensszenario wahrgenommen werden kann. Zumindest auf den ersten Blick. So dürften etwa unsere Real-Estate-Händler, die selbst ihre nördlichsten “Traum-Objekte” bekanntlich am liebsten als Sonnenparadiese mit Toskanaflair anpreisen, womöglich gar frohlocken. Da zu erwarten ist, dass der Veranda-Blick auf südliche Palmen auch in unseren Breiten demnächst Alltag wird, können sie sich als Markt-Visionäre feiern lassen.

Ein zugegeben, groteskes Szenario. Wobei sich der Image-Gewinn nur wird halten lassen, wenn die wichtigste Folge des Klimawandels prospektmäßig außen vor bleibt. Denn wenn die Prognose der Klimaforscher stimmt, wird sich europäisches Betongold in Meeresnähe nur noch ausnahmsweise als Finanzanlage mit garantierter Rendite anpreisen lassen. Grund:

Ausgerechnet die Filetstücke der Maklerzunft dürften als “Luxusvilla mit Ufergrundstück” oder “exklusive Wohnresidenz mit Meeresblick ” in nicht allzu ferner Zukunft (ca. 50 bis 100 Jahre) nur noch schwer vermitteln lassen. Stehen diese doch von Amsterdam über Hamburg bis Venedig auf Gelände, das nur noch von tauchfähiger Kundschaft zu bewundern sein wird. Ein Ungemach, dem risikobewusste Traumhaus-Käufer übrigens heute schon durch Studium geologischer Atlanten elegant aus dem Wege gehen können. Das Karten-Material offenbart für jedermann einsehbar höchst eindrucksvoll, was es für Deutschland, Europa, Amerika und die übrige Welt heißt, wenn der Meeresspiegel wie seinerzeit im Miozän weltweit um 20 oder gar 30 Meter gestiegen ist: Von New York über Venedig, Amsterdam bis Hamburg heißt es dann unisono: Land unter…
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Kosmischer Ausblick

Schon ein flüchtiger Blick in die unmittelbare Nachbarschaft unserer Erde lehrt, dass biologische Evolution im Universum, wenn überhaupt, nur ein zartes Pflänzchen sein kann: Alles, was uns Sonden und Teleskope im Gewirr der kreisenden planetaren Gesteinsklumpen bisher zeigen, ist öd und leer. Und: Auch im weiteren Umfeld unserer Sonne von Leben keine Spur. Trotz 50-jähriger Suche nach Radiosignalen außerirdischer Intelligenz war das Ergebnis bislang gleich Null – dröhnendes Schweigen rundherum. Fazit: Es bleibt Science Fiction, dass jenseits unseres Raumschiffs „Terra“ Wesen existieren, die gleich uns bewusst zu denken vermögen und befähigt wären, Zivilisationen mit Gerätschaften von Eierkochern bis Atombomben zu schaffen. Und im Extremfall durch ihre grenzensprengende, ungebremste Innovationskraft ihren Daseinsort mit Apparaturen zu pflastern vermögen, die bei fehlerhafter Konstruktion oder unsachgemäßem Gebrauch das Potential hätten, den Heimatplaneten zu schrotten oder aber, z. B. mit Höchstenergie-Schleudern wie etwa Weiterentwicklungen von „CERN“, aus reinem Wissenshunger über Nacht womöglich gar in einem schwarzen Loch verschwinden zu lassen.

Was mit dieser Art Katastrophens-Szenarien angesichts der Klimadebatte angedeutet sein soll: Das Problem des Universums aus homozentrischer Sicht ist: Es hat zwar bewiesen, dass unter speziellen Randbedingungen Leben möglich ist, aber unhöflicherweise vergessen, uns mitzuteilen, wie dieses Leben zu bewahren sei. Kurz: Es fehlt die Betriebsanleitung zum Produkt. So kommt es, dass jedermann sich diese nach Lust und Laune selbst zurechtlegen kann. Und möglicherweise schon ein Einzelner wegen übler Laune oder spekulativem Übermut auf irgendwelche Start- oder Resetknöpfe drückt, die den Fortgang des Projekts just in dem Moment stoppen, wenn alle Voraussetzungen auch für interstellare Kontaktaufnahmen gegeben wären.

Könnte die Fähigkeit zur Selbstvernichtung etwa einer der Gründe sein, warum sich im All keiner der gewiss zahlreichen zu biologischer Evolution fähigen Planeten als Schwesterplanet mit Hochzivilisation mittels elektromagnetischer Signale zu erkennen gibt? Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen, ist der Lauf unserer eigenen evolutionären Entwicklungsgeschichte. Und die kennt die Gefahr der Selbstreduktion oder gar Vernichtung einer Spezies durchaus. Das Beunruhigendste: Zur Zeit spricht wenig dafür, dass homo sapiens als sogenanntes Spitzenprodukt der Evolution reif genug ist, um mit demütiger Vernunft  statt mit größenwahnsinnigem Berserkertum bis hin zu Mord und Totschlag seine Probleme zu lösen. Sein Verstand arbeitet leider zu oft geradezu barbarisch grob und setzt damit ein gefährliches Daseinselement in die Welt, das angesichts rasant steigender Passagierzahlen (heute schon 70 Milliarden) auf dem nicht größer werdendem Raumschiff Erde zum planetaren Risikofaktor wird. Selbst wenn sich die Mehrheit vernünftig und mit Rücksicht auf andere verhält:Statistisch gesehen sind Fehlurteile, Ausraster oder Planungen mit Wackelkontakten zwangsläufig zu erwarten.Schließlich tritt der Mensch mit seinem Willen und seinen Vorstellungen – wie schon der Berufsskeptiker und Philosoph Arthur Schopenhauer Zeit seines Lebens beständig vor sich hin zu grummeln pflegte – täglich in allen Facetten des Sinns und Irrsinns in die Erscheinung. Der Gedanke, dass die Verantwortlichen auf der Kommandobrücke unseres hartnäckig als unsinkbar umjubelten Luxusliners sich wie etwa die Navigateure der „Titanic“ in der Kurseinschätzung fundamental irren könnten, hat schon Albert Einstein um den Schlaf gebracht. Nach gründlichem Studium zur Natur menschlicher Aktivitäten kam er zum Schluss: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“.
Quellenmaterial: Artikel von Rainer Gohr aus nullpunkt 2009 und online-Ausgabe von “Science Magazin” vom 9.10.2009

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